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Die Geburt des Sohnes hatte Meyer beflügelt, ein eigenes Verlagsunternehmen zu gründen. Am 1. August 1826 wurde das Bibliographische Institut in Gotha eröffnet. Eigentümerin war Hermine Meyer, Joseph Meyer begnügte sich mit der Bezeichnung Geschäftsführer. Seine gescheiterten Spekulationsgeschäfte hatten ihn vorsichtig gemacht und er wollte mit diesem Schritt seine Familie sicherstellen.

Meyer zählte zu den Kämpfern, die dem Volke eine universelle Bildung ermöglichen wollten, die den aktiven bürgerlichen Menschen als jenen betrachtete, der den feudalstaatlichen Hemmnissen entgegentrat und diese beseitigen konnte. Gemeint waren damit jene Hemmnisse, die der raschen Entfaltung der kapitalistischen Produktionsweise entgegenstanden. 1826 gab er die „Bibliothek der deutschen Klassiker“ heraus (150 Bändchen), zu bis dahin kaum erreicht niedrigen Preisen und mit hohen Absatzzahlen. Kurz darauf folgte eine ebenso erfolgreiche Atlanten-Serie. Als einer der ersten Verleger in Deutschland verkaufte Meyer seine Bücher über das Subskriptionsverfahren.
Bald erkannte Meyer, dass das Unternehmen in Gotha zu klein war für seine weitschweifenden Pläne. Er plante dem eigentlichen Verlag einen technischen Betrieb mit Druckerei und Buchbinderei anzufügen und schaute sich nach geeigneten Gebäuden um. Der Kaufmann Johann Erdmann Scheller aus Hildburghausen, der sich als Teilhaber angeboten hatte, verhandelte mit dem Herzog von Sachsen-Meiningen und seiner Regierung. Meyer schrieb an den Meininger Herzog (30. Oktober 1828), dass sein Institut mit Sicherheit ein Unternehmen mit Weltgeltung werden könne. Bernhard II. gehörte zu den Fürsten, die progressiven Strömungen im Kultur- und Geistesleben aufgeschlossen gegenüberstanden. Der Regierungsrat Schenk konnte schließlich den Vertrag „Se. Herzoglichen Durchlaucht“ mit „Frau Minna Meyer“ abschließen.
Bibliographisches Institut in Hildburghausen – HauptportalDas Bibliographische Institut siedelte im Dezember 1828 nach Hildburghausen und bezog das damals so genannte „Brunnquellsche Palais“. Meyer verlegte hier die „Cabinettsbibliothek“ und die „Miniaturbibliothek der deutschen Klassiker“. Hier erfuhr auch die dritte Ausgabe der billigsten Klassiker-Hefte in den Jahren 1848–1854 eine einzigartige Neuauflage, deren politische Bedeutung unter dem Eindruck der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49 nicht von der Hand zu weisen ist. Diese dritte Ausgabe der billigen Reihe erschien unter dem Namen „Meyers Groschenbibliothek“ (in 365 Bändchen). Die Ankündigung erfolgte unter der Losung: „Bildung macht frei“. Diese Losung blieb für viele Jahrzehnte der Wahlspruch des Bibliographischen Institutes.
Meyers Verlegertätigkeit imponiert durch weitere bedeutende und bahnbrechende Leistungen:

  • Einführung des Zweispaltensystems – welches bei der Herausgabe der Meyerschen Lexika für erheblichere Übersichtlichkeit sorgte und Stichworte leichter zu finden waren.
  • Reiche Illustrierung – vor allem im „Meyers Universum“ wurden zahlreiche Stahl- und Kupferstiche verwendet, Kenner hielten das Bibliographische Institut auch für einen Kunstverlag
  • Einführung der Subskription – der finanzielle Vorteil, dass der Käufer beim Erwerb eines Bandes gleich den nächsten zu bezahlen hatte, sicherte die Herstellungskosten.

Sitz des Bibliographischen Instituts in Hildburghausen 1828–1874Das Unternehmen wurde außerordentlich erfolgreich; Hauptfilialen in Amsterdam, New York und Philadelphia wurden eingerichtet. Meyers bildungspolitischer Einfluss ist nicht zu unterschätzen. Sein bildungspolitisches Aufklärertum erfasste die Masse des Volkes, seine Ausgaben gingen in hohen Auflagen um die Welt.
Meyers klare parteiliche Haltung drückte sich auch darin aus, dass er am Jahrestag der Völkerschlacht, am 18. Oktober 1830, all seinen Angestellten freigab. Kein anderer Unternehmer in Sachsen-Meiningen hatte soetwas in seinem Betrieb eingeführt.Gedenktafel am Bibliographischen Institut in Hildburghausen
Joseph Meyers Wirken machte das Bibliographische Institut zu einem bedeutenden geistigen Zentrum in ganz Mitteldeutschland. Meyer zählt ohne Zweifel zu den bedeutendsten Verlegern Deutschlands in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Insgesamt gehört sein Verlagsprogramm zu den progressiven kulturellen Taten der zur Macht drängenden Bourgeoisie, an deren Herausbildung eines bürgerlich-oppositionellen Bewusstseins Meyer aktiv mitgewirkt hat. Trotz feudalstaatlicher Behinderung hat Meyer einen entscheidenden Beitrag geleistet, das Volk an Bildung und Kultur heranzuführen.

Durch die Herausgabe preiswerter Klassikerausgaben und durch neue Werbe- und Vertriebsmethoden gewann Meyer neue Käufer- und Leserschichten. Neben dem 52-bändigen „Großen Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände“ (1840–1855) und Meyers Konversationslexikon erschienen weitere Reihenwerke wie „Meyers Universum“, „Meyers Reisebücher“, „Meyers Atlanten“, Meyers Klassiker-Ausgaben, Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Sievers' Allgemeine Länderkunde und Brehms Tierleben. Das 1880 von Konrad Duden herausgegebene „Orthographische Wörterbuch“ bildete die Grundlage für eine einheitliche deutsche Rechtschreibung. 1915 wurde der Verlag in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Meyer

   
   

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